Dienstag, 05. Mai 2015

Unbekannter überfällt Bank

«Die Bankfiliale am Bahnhofplatz in Adliswil ZH ist gestern Morgen von einem Unbekannten überfallen worden. Der Maskierte bedrohte die drei Schalterangestellten mit einer Faustfeuerwaffe. Mit einer Beute von mehreren Tausend Franken gelang dem Mann zu Fuss die Flucht. Verletzt wurde niemand. Die Suche nach dem Räuber verlief bisher ergebnislos.»

Eine Kurznachricht, vor nicht allzu langer Zeit gelesen in der Neuen Luzerner Zeitung. Eine, wie man sie fast täglich in der Zeitung liest. Man stelle sich vor, der Bankräuber wäre ein Bekannter gewesen! [Und falls ja, von wem, von einer der Bankangestellten?] Dann hätte sich in der Bank vielleicht folgender Dialog abgespielt: «Guten Tag Herr Schlaumeyer, womit kann ich heute dienen?» [Bankangestellte der unteren Lohnklassen gehören naturgemäss zu den Dienenden] Bankräuber, sonst eher schweigsam: «Geld her – das ist ein Überfall!» Bankangestellte: «Ah, Sie möchten kein Geld einzahlen – Sie möchten welches von uns?» Nach kurzer Überlegung: «Aber nein, Herr Schlaumeyer, ist das wirklich ein Banküberfall!? Sie sind aber ein Lustiger!» Und kurz darauf die Frage: «Möchten Sie das Geld in grossen oder kleinen Scheinen, nummeriert oder doch lieber unnummeriert?». Der Bankräuber fuchtelt mit seiner Pistole herum und stellt eine Sporttasche auf den Banktresen. «Soll ich ihnen kurz die Pistole halten, damit sie das Geld einpacken können?», so die nächste Frage der immer freundlichen Bankangestellten. Der Bankräuber stopft die Tausender in seine Tasche und rennt zum Ausgang. «Also dann, auf Wiedersehen – und einen schönen Tag noch, Herr Schlaumeyer!»

Warum also nicht einfach: «Ein Bankräuber hat gestern die Bankfiliale am Bahnhofplatz in Adliswil überfallen»? Nur weil man irgend einmal gelernt hat, dass es das gleiche Wort im selben Satz unbedingt zu vermeiden gilt? Da gäbe es ja noch die Möglichkeit  statt «Bankfiliale» «UBS-Filiale» zu schreiben. Ganz toll wäre auch: «Ein unbekannter Bankräuber hat...». Das gibts nämlich, oder jedenfalls das Gegenteil davon: Bekannte Bankräuber. Aber die hätten wohl nicht die Bankfiliale am Bahnhofplatz in Adliswil überfallen, sondern eine solche an der Bahnhofstrasse in Zürich.