Monat: Februar 2019

Gugge oder Guugge?

Mit dem Urknall am heutigen Schmutzigen Donnerstag ist um 5 Uhr die Fasnacht über Luzern hereingebrochen. Rechtzeitig zum Grossereignis bringt die «Luzerner Zeitung» in der heutigen Ausgabe eine sehenswerte Doppelseite…

Mit dem Urknall am heutigen Schmutzigen Donnerstag ist um 5 Uhr die Fasnacht über Luzern hereingebrochen. Rechtzeitig zum Grossereignis bringt die «Luzerner Zeitung» in der heutigen Ausgabe eine sehenswerte Doppelseite «Sprechen Sie Fasnacht?» Mit Texten von Hugo Bischof und Illustrationen von Martin Ludwig. Ein Lexikon für alle Luzerner Fasnächtler*innen und solche, die es werden wollen. Und weil ich so begeistert bin, hab ich dem Herrn Bischof gleich einen Leserbrief geschickt:

Lieber Hugo Bischof

Die Doppelseite «Sprechen Sie Fasnacht?» ist der Schmudo-Hammer! Tolle Grafiken, aufschlussreiche Begriffserklärung für alle Fasnächtler und Nichtfasnächtler. Preisverdächtig. Was mich richtig freut: Hier wird die «Guugge» (oder das «Guuggi») korrekt mit zwei «U» und zwei «G» geschrieben – keine Selbstverständlichkeit! Auch wenn sich die Luzerner Zeitung meist an diese Schreibweise hält, hab ich auch hier vor nicht allzulanger Zeit in einer Überschrif – wie sonst so oft eben – von der «Guggenmusig» gelesen. Nicht wirklich wichtig, aber eben falsch. Warum? Weil eine «Gugge» als baseldeutscher Ausdruck einen Sack oder eine Tüte bezeichnet. Und nicht ein lautes Blechblasinstrument. Demnach wäre eine «Guggenmusig» eben eine Sackmusik. Wobei es bei der Tüte schon wieder heikel wird, weil man bei uns «tüütet», wenn man laut ins Horn bläst. Wäre demzufolge vielleicht noch nützlich gewesen, wenn hier auch von der «Guuggenmusig» zu lesen gewesen wäre. Weil landauf, landab mit «Guggenmusigen» und «Guggenmusiken» Schindluderei getrieben wird.

Und da stolpere ich gleich noch über den Ausdruck «Usgüüglete» auf ihrer grandiosen Doppelseite. Ich meine aber, das müsste «Usgüügglete» heissen (mit zwei «g» geschrieben), weil es eben um die «Guuggen» geht. Auch der Trompeter wäre dann ein «Güüggler» und nicht, wie von Ihnen geschrieben, ein «Güügler». Spitzfindig? Nicht unbedingt! Weil «güüglen» (oder «güügelen») etwas ganz anderes bedeutet und eine Tätigkeit beschreib, die damit zu tun hat, wenn jemand etwas zu tief ins Glas schaut. Was ja an der Fasnacht auch vorkommen soll…

Mit herzlichen Fasnachtsgrüssen!
Guido Gallati

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Gewaltig nachhaltig

Was steht denn da auf dem Frühstückstisch? Eine Flasche Milchdrink, teilentrahmt, pasteurisiert, filtriert und homogenisiert. Aber es ist natürlich kein stinkgewöhnlicher Milchdrink – es ist ein nachhaltiger Milchdrink. Über die…

Was steht denn da auf dem Frühstückstisch? Eine Flasche Milchdrink, teilentrahmt, pasteurisiert, filtriert und homogenisiert. Aber es ist natürlich kein stinkgewöhnlicher Milchdrink – es ist ein nachhaltiger Milchdrink. Über die Nachhaltigkeit schreibt Judith Maria Tonner in ihrer Inauguraldissertation von 2017 zur Erlangung der Würde eines Doktors der Philosophie, vorgelegt der Fakultät für Psychologie der Universität Basel:

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der zurzeit inflationär und in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht wird (Aachener Stiftung Kathy Beys, 2015). Als Begründer des Prinzips der Nachhaltigkeit gilt Hans Carl von Carlowitz, der bereits 1713 in seinem Werk Sylvicultura oeconomica formulierte,dass nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung nachwachsen kann. In den 1970er Jahren wurde der Begriff im Zusammenhang mit der Ölkrise und einer Diskussion um nachwachsende Rohstoffe wieder aufgegriffen. Im als Brundtland-Bericht bekannt gewordenen Zukunftsbericht Our Common Future, den 1987 die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung veröffentlichte, wurde erstmals das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung definiert. Die Kommission verstand darunter eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden. Diese Definition ist grundlegend für viele der folgenden Definitionen nachhaltiger Entwicklung. Im aktuellen Verständnis der Vereinten Nationen etwa bedeutet nachhaltige Entwicklung, dass die regionale, nationale und globale Entwicklung der Gesellschaft das Ziel verfolgen soll, die gegenwärtigen und kuünftigen Grundbedürfnisse aller Menschen zu befriedigen. Häufig werden die wirtschaftliche, soziale und ökologische Säule der nachhaltigen Entwicklung unterschieden…

Also, gerade innovativ ist es ja nicht, liebe für den Detaillisten Volg Werbende, ein inflationär verwendetes Schlagwort, das 1713 erfunden wurde und in den 1970er Jahren ein erstes Revival erlebt hat, zur Krönung ihres Milchdrinks zu verwenden. Zudem es eigentlich «nachhaltig produzierter Milchdrink» heissen müsste, da ja wohl nicht der Milchdrink nachhaltig ist, sondern dessen Produktion. Und so nebenbei gesagt: Autos stossen Kohlendioxid (CO2) aus, Kühe Methan (CH4), das bei ihrer Verdauung entsteht. Beides sind Treibhausgase, die sich in der Erdatmosphäre anreichern – und so zur Erwärmung des Klimas führen. Wobei Methan in dieser Funktion sogar 20 bis 30 Mal schädlicher ist als CO2. Wäre es also nicht sinnvoll, nicht nur Autos, sondern auch Kühe umweltfreundlicher zu machen? Oder gar zu verbieten? Oder zumindest nicht mit «Nachhaltigkeit» in Verbindung zu bringen?

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Profi oder Hausgebrauch?

Bin ich nun ein Profi? Oder eher doch keiner? Manchmal ists gar nicht so einfach, die Frage zu beantworten. Hab ich mir doch neulich ein kleines, feines Fotostativ zugelegt. Zwar…

Bin ich nun ein Profi? Oder eher doch keiner? Manchmal ists gar nicht so einfach, die Frage zu beantworten. Hab ich mir doch neulich ein kleines, feines Fotostativ zugelegt. Zwar hatte ich schon eines, aber zwei sind besser als nur eines, dachte ich mir. Vor allem ist das neue äusserst kompakt, dank Carbon leicht und stabil, der kleine Kugelkopf hält die D6 wie ein Schraubstock und man kann es ohne Probleme an den Fotorucksack schnallen. Zudem war es Bestandteil einer Lagerräumungsaktion und deshalb zum Schnäppchenpreis zu haben. Sogar eine Gebrauchsanleitung war mit dabei. Wer um alles in der Welt liest heute noch (gedruckte!) Gebrauchsanleitungen? Ich – weil schliesslich ein Profi. Und was steht da als erster Punkt unter Sicherheitshinweise? «Das Produkt ist für den privaten, nicht-gewerblichen Haushaltsgebrauch vorgesehen». Das stürzt mich nun aber gewaltig ins Dilemma, um nicht zu sagen in eine Glaubenskrise. Wie ist das denn nun zu verstehen, nennt sich das gute Teil doch «Professional Premium Duo Carbon». So stehts auf der edlen schwarzen Verpackung. Und so stehts auch auf der Gebrauchsanweisung. Ein echter Profi für den Hausgebrauch also? Und dazu noch «premium»! Seis drum, ich werde es einsetzen, professionell oder für den Hausgebrauch. Aber doch eher draussen, weil unterwegs. Einen Satz muss ich mir dabei bestimmt zu Herzen nehmen, Punkt 3 im selben Abschnitt der Bedienungsanleitung: «Betreiben Sie das Produkt nicht ausserhalb seiner in den technischen Daten angegebenen Leistungsgrenzen». Das klingt ja schon fast philosophisch…

 

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